POLE 1 2 3 – Wiederveröffentlichung auf ~scape
Das BerlinerLabel ~scape bringt diesen Monat die ersten drei Pole-Alben als aufeinander bezogene Trilogie heraus. Die Wiederveröffentlichung der schlicht durchnummerierten und streng monochrom gehaltenen Alben "gibt erstmals Gelegenheit, Pole 1 - 3 als Einheit zu hören und die Musik als Wegmarke in der Geschichte der elektronischen Musik zu würdigen". Vor etwas mehr als zehn Jahren gab ein glücklicher Zufall Stefan Betke aka Pole eine neue musikalische Identität und machte ihnzu einem Vorreiter des sogenannten Minimal-Dub.
Eine kleine Geschichte über das Glück im Unglück eines (analogen) Waldorf-4-Pole-Filters:
Es war einmal ein Analogfilter mit dem Namen Waldorf-4-Pole. Dieses kleine Gerät war im Besitz von zwei sehr bekannten Musik-Avantgardisten, die schon in gewisser Weise elektronische Musik machten, bevor Detroit Techno erschuf: Thomas Fehlmann und Gudrun Gut. Die genauen Hintergründe sind unerforscht, aber einer der beiden oder beide haben den kleinen Waldorf eines Tages fallen lassen. Der Sturz führte zu einem Defekt. Aus welchem Grund auch immer, verschenkten Gut und Fehlmann den kleinen Waldorf 1996 an einen selbsternannten Klangarchitekten namens Stefan Betke. Dieser stellte den Analogfilter in eine Ecke und schenkte ihm zunächst keine Beachtung. Nach einiger Zeit jedoch, wie aus heiterem Himmel, beschloß er den kleinen Waldorf an sein Mischpult anzuschließen, um zu überprüfen, ob er überhaupt noch brauchbar war. Betke stellte fest, dass der elektrische Defekt sich in Form eines ziel- und wahlosen, aber eigentlich wunderbaren Knacken und Knistern manifestierte. 'Es könnte unter Umständen einen Rhythmus ergeben', dachte der Architekt. Trotzdem ließ er ihn liegen. Nur dieses Mal stellte er ihn nicht zurück in die Ecke. Der kleine Waldorf, wieder vergessen, blieb am Mischpult angeschlossen. Irgendwann, als Betke gerade an dem Entwurf eines Musikstückes arbeitete, schaltete er nichts ahnend jenen Kanal ein, an den der Analogfilter noch dranhing. Plötzlich hörte er das Knacken und Knistern zu seiner Musik und kam auf eine Idee: 'den Beat muss ich rausnehmen, die Musik so belassen und die Knackser einfach zufallsmäßig, so wie er sie ausspuckt, drüber lassen'. Der kleine Waldorf konnte es kaum fassen, dass aufgrund seines Defekts Betke eine für sich vollkommen neue Möglichkeit entdeckte. Von nun an stand der Klangarchitekt vor seinem musikalischen Fundament. Er begann darauf zu bauen und nannte sich fortan POLE. - Der (echte) Pole, der kleine Waldorf, konnte nicht klagen, denn erwar gewissermaßen über Nacht berühmt geworden...
Am 25. Juli erscheint das Reissue der ersten drei Alben von Pole in Form einer 3-Fach CD. Bis dahin kann man hier in 1, 2 oder 3 reinhören und sich von der unfassbaren Tiefe und der Notwendigkeit dieser elektronischenMusik vergewissern.
