Fast 30 jahre unentdeckt: Die elektronische Musik der Pharmazeutin Ursula Bogner
Ach wie schön, dass es den Zufall gibt:
"Nur einem Zufall ist es zuverdanken, daß wir von der Musikerin URSULA BOGNER erfahren. Im eigentlichen Leben als Wissenschaftlerin in der Pharmabranche tätig, experimentierte die1946 geborene über fast 30 Jahre 'unendeckt' und hobbyistisch mit elektronischer Musik. Als der Musikproduzent JAN JELINEK quasi beiläufig Bogners Werke zu hören bekam, war die Begeisterung groß. Jelinek stellte aus dem umfangreichen Material eine CD/LP zusammen und nahm dies außerdem zum Anlass,ein eigenes Label zu gründen. FAITICHE Nr.1 ist Ursula Bogner, Recordings 1969-1988. Das Album wird ab 24.10.2008 auf CD und auf 500 Stück limitierter Gatefold LP erhältlich sein."
Eine kleine Geschichte über eine zufällige Entdeckung - erzählt von Jan Jelinek:
"Nahezu unglaublich, dass Ursula Bogner als Musikerin bis dato unentdeckt geblieben ist. Und genauso unglaublich, und doch wieder alltäglich, liest sich ihre Biografie. In einem Flugzeug auf dem Weg nach Vlinius machte ich die Bekanntschaft mit Sebastian Bogner, den Sohn Ursulas, der, so erzählte er, auf Geschäftsreise sei und in der Pharmaindustrie tätig ist. Schnell kamen wir über den üblichen Smalltalk auf seine Mutter zu sprechen, die auch mit Synthesizern 'musizierte', allerdings rein privatistisch, in einem hierfür eigens eingerichteten Musikzimmer im elterlichen Wohnhaus. Das Interesse ihres Umfelds war gering, die Musik wurde als eines ihrer vielen exzentrischen Hobbys wahrgenommen. Denn vordergründig war Ursula Bogners Lebenswelt durch und durch bürgerlich: Pharmazeutin, Ehefrau, Mutter inklusive Einfamilienhaus. Umso bizarrer scheint ihre Obsession für elektronische Musik. Einer Obsession, die sie glücklicherweise dazu antrieb, ein eigenes Studio einzurichten, um dort zu experimentieren und Aufnahmen zu machen."
Sebastian Bogner hat Jelinek schliesslich und zum Glück aller Verfechter elektronischer Musik-Kultur die Tonbänder zur Verfügung gestellt. Nun erscheint ihr Werk postum: Ursula Bogner, 1946 in Dortmund geboren, verstarb bereits 1994 in Berlin. - Diese Aufnahmen, so ungewöhnlich zeitnah und alles andere als fremd, die bis in das Jahr 1969 zurückreichen, offenbaren einmal mehr die unverrückbare Bedeutung elektronischer Musik für die Musik überhaupt!
Ein Verweilen in der Vergangenheit mit dem Gefühl von Gegenwart...
Tracklisting:
1. Begleitung für Tuba (1982)
2. Inversion (1978)
3. Proto (1980)
4. Metazoon (1979)
5. Momentaufnahme (1977)
6. 2 Ton (1984)
7. Speichen (1979)
8. Modes (1985)
9. Atmosphäre 1 (1977)
10. Punkte (1984)
11. Expansion (1979)
12. Für Ulrich (1980)
13. Pulsation (1969)
14. Testlauf (1975)
15. Soloresonanzen (1988)
