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Little Boots: "Penetrantes Hitpotential"

Geschrieben Mi, 1. Jul. 2009 11:08 von Jochen Overbeck in Newcomer des Monats
Sie kann herrlich lachen. Schön dreckig, leicht aus dem Rachen kommend. Etwa, wenn man ihr sagt, dass ihre Stimme ein bisschen an die von Sophie Ellis-Bextor ("Murder On The Dancefloor") erinnere. "Da bin ich aber eher die schäbige Hinterhofversion von", sagt sie amüsiert. Und in der Tat, der glossy Gucci-Appeal ihrer Stimmkollegin geht Victoria Hesketh, die sich hinter dem Moniker Little Boots verbirgt, völlig ab. Ihr jetzt erscheinendes Debütalbum "Hands" zeigt aber, dass auch ihre etwas räudigere Variante britischen Tanzboden-Pops jede Menge Spaß machen kann.

Dabei ist der Druck, der auf der 25-Jährigen lastet, groß. Die BBC-Fachjury, die Jahr für Jahr eine Liste der vielversprechendsten Künstler des nächsten Jahres veröffentlicht und unter anderem schon die Erfolge von Mika, MGMT und Duffy prognostizierte, wählte sie im vergangenen Jahr an die Spitze der diesjährigen "Hotlist". Das Ergebnis: ein Telefon, das nicht mehr stillstand. Plattenfirmen, die ebenso verbissen wie freundlich um gemeinsame Abendessen baten. Eine Steigerung der Youtube-Clicks um ein paar hundert Prozent. Von all dem, so sagt sie selbst, dürfe man sich aber nicht verrückt machen lassen. "Natürlich schauen die Leute auf mich. Und klar, es ist total irritierend, plötzlich recht bekannt zu sein. Neulich wurde ich am Bahnhof fotografiert, einfach so. Damit muss man erst einmal zurechtkommen!"

Vieles spricht dafür, dass dieser Druck, diese Öffentlichkeit in den nächsten Monaten zunehmen wird. Denn die Songs von Little Boots besitzen alles Hitpotenzial der Welt. Nicht nur an oben erwähnte Sophie Ellis-Bextor muss man manchmal denken, auch an Kylie Minogue, Madonna und die aktuelle Konkurrenz von It-Künstlerinnen wie La Roux oder Amanda Blank - mit dem Unterschied, dass Little-Boots-Hits manchmal auch ein bisschen nach Autoscooter klingen. Das weiß sie - und man hat den Eindruck, dass sie da ein bisschen mit sich selbst kämpft: "Ich hatte bei solchen Songs früher echt oft ein doofes Gefühl. Ich schrieb die, und sie waren mir viel zu cheesy. Ich brauchte eine Weile, um mich von diesem Indie-Gedanken freizumachen und zu akzeptieren, dass eine Melodie nicht cool, sondern catchy sein muss", erklärt sie, fügt aber an, dass es viel poppiger nicht werden dürfe. Wird es auch nicht, denn mit Greg Kurstin (The Bird And The Bee), Joey Goddard von Hot Chip und Jas Shaw von Simian Mobile Disco saßen für die Produktion von "Hands" reichlich Indie-Bescheidwisser an den Reglern. Unterstützung erfuhr sie aber auch von hoher Stelle: Mit den Pet Shop Boys bekannten sich die Elder Statesmen des Pop dazu, Little-Boots-Fans zu sein. Auch nicht schlecht!
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