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Noisettes "Wild Young Hearts" - Prelistening und Album-Rezension

Geschrieben Do, 1. Okt. 2009 13:33 von Jochen Overbeck in Newcomer des Monats

Seit Hugh Grant sich in "About A Boy" in Sachen Unabhängigkeit mit einer Insel verglich (er war Ibiza, aber das nur am Rande), ist diese Inselsache ein geflügeltes Wort. Auch Shingai Shoniwa, Sängerin der Londoner Band Noisettes weiß das offenbar. Im kleinen "Sometimes", das "Wild Young Hearts", das zweite Album ihrer Band eröffnet, heißt es: "I am an island underneath the setting sun". Anschließend fügt sie an, dass es doch bedeutend heller in ihrem Herzen wird, wenn die Sonne endlich untergeht. Ein Nachtmensch? Offenbar, vermutlich sogar ohnehin. Das impliziert zumindest der etwas weniger gediegen inszenierte Rest des Albums. Oft genug inszenieren sich Noisettes als Band, die vor allem über die Tanzfläche funktioniert. So ist "Don't Upset The Rhythm" einer dieser Songs, die sich musikalisch schwer genau einordnen lassen - es ist am ehesten Pop, angereichert mit etwas Disco und einer Schippe Funk -, die aber dennoch sofort knallen. Eine Leistung, sicher. Aber eben eine, die sehr bausteinhaft, sehr konzeptionell wirkt und es nicht ohne Grund sofort in einen Autowerbespot schaffte. Genau für so etwas ist der Song geeignet, weil er sehr ordentliches Handwerk ist. Das folgende "Wild Young Heart" dagegen ordnet sich irgendwo zwischen Motown und Amy Winehouse ein, wird allerdings durch eine gute Portion Gitarren angereichert. "Every Now And Then" ist der emotionale Jazz-Hauer mit Adele-Kante, "Beat Of My Heart" Powerpop.

Und so geht's weiter. Die Noisettes haben ein Händchen für den gediegenen Ohrwurm, für die fein austarierte Gesangslinie, der diesmal auch immer der nötige Platz gelassen wird, was auf dem Debüt "What's The Time, Mr. Wolf" nicht immer so ganz funktionierte. Gleichzeitig wurde in den Sounds arg aufgeräumt. Und dabei ging eben ein Stück Spontaneität und Quirligkeit verloren. Ein Album wie eine hübsch polierte Küchenarbeitsplatte, die noch ein paar Kratzer und Flecken braucht, um ohne Hemmungen benutzt werden zu können. Aber genau das wird passieren, denn Songs wie das wirklich wahnsinnig clever inszenierte "Never Forget You" (Der leichte Offbeat! Die Streicher!) zeigen, dass die sehr gut können - wenn sie wollen.

Überzeugt Euch selbst. Gleich hier im "Wild Young Hearts"-Albumplayer:

 

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