Noisettes - Nur keine festen Strukturen
Wer sich auf die Noisettes einlässt, kann sich am besten
gleich auf alles gefasst machen. Hier werden sämtliche Register gezogen. Zwei
Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums "What's The Time Mr. Wolf?",
einer
Scheibe, die den Geist des Punk mit versengtem Bluesrock vermählte,
meldet sich das Trio aus London zurück. "Wild Young Hearts" heißt das neue
The Noisettes-Werk und ist seit dem 18.09.2009 zu haben. Darauf: Eine Palette von
Popsongs, die im Soul ertränkt werden und direkt auf die Disco-Tanzfläche
ziehen, nachdem sie einen kurzen Umweg über die Blues- und Jazz-Ära genommen
haben. Schon immer allergisch gegen feste Strukturen und
Strickmuster, war dem Trio von Anfang an klar, dass sie mit dem Nachfolger eine
neue klangliche Kerbe schlagen wollten. Und das, obwohl ihr Debütalbum fünf
Singles hervorbrachte und dafür sorgte, dass sie über ein Jahr lang pausenlos
auf Tournee waren, unter anderem mit
Muse, TV On The Radio und Bloc Party.
Wer jetzt noch nicht auf den Geschmack gekommen ist, kann sich hier selbst ein Bild von Shingai, Dan und Jamie machen:
Mit "Wild Young Hearts" haben die Noisettes ein Album
geschaffen, das in Sachen Kühnheit dieses Jahr kaum zu übertreffen sein wird. "Es gibt halt Bands, die immer
denselben Style präsentieren", sagt Sängerin
Shingai Shoniwa. "Wir sind zwar auch eine Gang, aber wir sind zugleich drei Diven
mit ganz unterschiedlichen Plattensammlungen. Andauernd schleppt einer von uns
neue Musik an und zeigt sie den anderen; mal ist es afrikanische Musik, mal
Jazz, mal Van Morrison oder Black Sabbath. Musik zu machen bedeutet für uns,
mit offenen Ohren durch die Welt zu gehen." Wie nicht anders zu erwarten, haben The Noisettes einen eher untypischen Weg gewählt, als es darum ging, neue Songs
zu schreiben: Gerade erst von ihrer Tour zurück, machten Gitarrist
Dan Smith und Drummer Jamie Morrison 2007 erste Klangexperimente, die zum Teil
daraus bestanden, breit ins Naturgeschichtliche Museum zu gehen, um gleich im
Anschluss Mainstream-Hits wie Britneys „Hit Me Baby (One More Time)" zu covern.
Im Herbst des Jahres packte die Band ihr Equipment in einen Van und verbrachte ein paar Wochen in verschiedenen Studios, dazwischen erbrobten sie ihre neuen Tracks live vor Publikum. The Guardian adelte sie in dieser Zeit bereits zur "besten Live-Band Großbritanniens". Trotzdem wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht so genau, wie das Album insgesamt klingen sollte; das änderte sich erst, als sie mit dem Produzenten Jim Abbiss (Arctic Monkeys, Adele) in London ins Studio gingen. Herausgekommen ist eine wahre Katastrophe für Schubladen-Denker oder besser: Ein wahres Feuerwerk an Innovationsfreude und Überraschungen.
Und so ging es bei den Dreharbeiten zum Clip "Never Forget You" hinter den Kulissen zu:
"Uns geht es gar nicht darum, trendy zu sein", sagt Shingai Shoniwa. "Die Musik ist für alle da, aber unsere Band zeichnet sich nun mal dadurch aus, dass wir auch andere Aspekte mit einbeziehen. Unser Ziel ist es, den Leuten zu beweisen, dass Popmusik auch heute noch anders klingen und spannend sein kann. Und ich weiß, dass wir mit diesem Album den Beweis dafür liefern können."
Das gelingt den Noisettes mit "Wild Young Hearts" auf jeden Fall.
