Aloha From Hell - Das Starportrait
(tsch) Und dann hatte Vivi sie irgendwann zum ersten Mal vor sich, die erste
"lange" CD ihrer Band. Der Produktmanager drückte sie ihr in die Hand, und sie
wollte sie nicht mehr hergeben. "Aber die Jungs wollten sie dann auch mal
haben", sagt Vivi und lacht, und das erklärt schon ein bisschen, worum es bei
Aloha From Hell geht. Teenage-Begeisterung. Traumerfüllung. Aus dem Proberaum
raus ins Leben. Auch wenn die Band aus Mainfranken über den Wettbewerb einer
großen Jugendzeitschrift nach oben gespült wurde, sind es also die klassischen
Motive des Rock'n'Roll, die hier bedient werden. Wie das klingt? Wie die Summe
der Vorbilder, die man mit 16, 17 eben hat, in diesem Fall also ein bisschen
nach Avril Lavigne, ein bisschen nach Die Happy. Die eigene Handschrift mag da
manch einer vermissen - aber die wird sich spätestens dann entwickeln, wenn die
Band das Songwriting komplett selbst stemmt.
Aloha From Hell sind
dieser Tage viel unterwegs. Die Band wohnt in der Nähe von Aschaffenburg, die
Plattenfirma sitzt in München. Konzerte und Promotion-Termine verteilen sich
hübsch über die Republik. Dazu kommt die Kernarbeit einer jeden Rockformation:
Proberaum und Tonstudio. Hier macht sich eine gewisse Erhöhung der Schlagzahl
wohl am deutlichsten bemerkbar: Drei Mal die Woche wird am Material und dessen
Live-Umsetzung gefeilt, dazu kommen Sonderproben und Coachings. Kurz gesagt:
Vivi und ihre vier Jungs Mo (Gitarre), Andy (Gitarre), Max (Bass) und Feli
(Schlagzeug) verbringen viel Zeit miteinander. Echt viel Zeit, selbst für die
Teenager, die sich größtenteils schon aus dem Sandkasten kennen. Ein Problem?
Nein, sagt die 17-jährige Sängerin der Band und fügt an: "Mit der Zeit erkennt
man ja, wenn jemand nicht so gut drauf ist. Den lässt man dann halt in Ruhe.
Aber eigentlich ist es eher so: Wir haben in den letzten Monaten so viel
miteinander erlebt, das unsere Freundschaft zusätzlich stärkt. Wir sind eine
Familie geworden."
Dabei kam alles ganz schön überraschend. Als die
"Bravo" vor gut zwei Jahren zum Bandwettbewerb blies, hatten Aloha From Hell
gerade mal seit ein paar Monaten so etwas wie eigenes Songmaterial. Chancen
rechneten sie sich keine aus. "Schon dass wir plötzlich unter den letzten zehn
waren, erschien uns sehr unrealistisch", sagt Vivi. Erst, als sie dann plötzlich
in einem Tonstudio standen und ihre erste Single aufnahmen, wurde ihnen klar,
dass da gerade etwas Großes passierte. Und dass einiges anders werden würde -
zum Beispiel arbeiteten sie plötzlich auch mit fremden Liedern: "Für mich war
das überhaupt nicht schlimm. Die Songs, die von Externen kamen, wurden mit uns
abgesprochen. Ich sagte von Anfang an, dass ich Texte haben möchte, mit denen
ich und die Leute, die ich ansprechen möchte, sich identifizieren können",
erklärt Vivi.
Betrachtet man die Präsenz der Band in den einschlägigen
Medien, scheint die Rechnung aufzugehen. Und wichtiger: Aloha From Hell macht's
Spaß, was sich vor allem während der Konzerte zeigt: Vivi und ihre Jungs spielen
gerne, ob Open Air oder im Club - einer der bisher schönsten Auftritte war
übrigens ein Heimspiel im Aschaffenburger Colos-Saal. Aber egal, ob's nun die
kleine oder große Bühne ist, eines bleibt gleich, erzählt Vivi: "Ich bin immer
aufgeregt, wirklich immer. Die Jungs sind da recht gediegen, die bleiben total
ruhig. Versteh' ich nicht! Aber vielleicht ist es ja auch O.K., wenn man das
ist, zumal es vorbei ist, wenn ich den ersten Ton gesungen habe. Dann bin ich in
meiner Bühnenwelt." Das Drumherum dieses Metiers scheint der Band indes
ebenfalls zu gefallen - zumindest der erste Besuch bei der "BRAVO Supershow"
beeindruckte den Fünfer nachhaltig. Nicht nur wegen des Publikums, sondern vor
allem wegen all denen, mit denen sie die Bühne teilten: Die Stars, so sagt Vivi,
wären nämlich eigentlich ganz nett. Und mit der deutschen U-21-Popmannschaft,
also Kollegen wie Panik oder den Ochsenknecht-Brüdern verstünde man sich
prima.
Nur an die Sache mit der Öffentlichkeit muss sich Vivi noch
gewöhnen. Manchmal ist's witzig, vor allem in der Schule: "Am Anfang haben alle
getuschelt, vor allem die Kleinen. Die kommen dann auch mal zu einem und fragen
nach Autogrammen, was natürlich total ungewohnt ist." Die Jungs indes haben wohl
die obsessiveren Fans. Legt vielleicht in der Natur der Sache, denn das Publikum
gerade bei größeren Events wie oben erwähnter "BRAVO Supershow" besteht vor
allem aus Mädchen, die eben auf Feli und Mo steil gehen. Dass aber auch ihr
Privates plötzlich gar nicht mehr so privat ist, dass einen da plötzlich völlig
Fremde ganz schön gut finden, irritiert Vivi. "Ich kriege bei Myspace manchmal
richtige Liebeserklärungen, das ist schon ungewohnt. Ich kenn' einen gar nicht,
und die kennen einen nur aus Auftritten - und nennen einen Süße oder Schatzi.
Aber das ist eben so, sobald man in der Öffentlichkeit steht, muss man damit
zurechtkommen. Aber man darf es einfach nicht überbewerten."
