Phoenix - Revolution gegen Mama
Geschrieben Fr, 29. Mai. 2009 17:46 von Claudia Nitsche in Starportraits
Manche Menschen sprechen langsamer, andere schneller. Manche ganz
langsam. Zu dieser Spezies gehören Sänger Thomas Mars und Gitarrist
Laurent Brancowitz von Phoenix. Sie sitzen auf ihren beiden Stühlen wie
zwei Schüler bei der Abfrage. In Slow Motion beantworten sie die
Fragen. Sie sind in einer anderen Sphäre. Es ist erstaunlich, dass
diese zwei Menschen seit knapp einem Jahrzehnt extrem vielseitigen und
meist tanzbaren, stets schwungvollen Gitarrenpop verkaufen. Und das
nicht erst seit "Too Young" vom 2000er-Debüt "United" im Kultfilm "Lost
in Translation" lief. Dass Sänger Mars mit dessen Regisseurin Sofia
Coppola liiert ist und eine gemeinsame Tochter hat, ist aber nur eine
Randnotiz bei einer Band, die gleichberechtigt funktioniert. In der
Brancowitz, einer der beiden Brüder, die die Band gründeten, wohl noch
eher die Rolle des Extrovertierten zukommt. Die Haare stehen ihm zu
Berge, die Ray Ban thront riesig in seinem Gesicht und kontrastiert
seinen blassen Teint, der - auch wenn es seltsam klingen mag - die
gleiche Farbe hat wie seine Zähne.
Branco, Du sagst, ein Live-Konzert macht Dir Spaß, weil man scheitern kann. Bist Du ein risikofreudiger Typ?
Laurent Brancowitz: Ja, das lässt sich mit einem einfachen Vergleich erklären. Wenn du immerzu in den Tropen lebst, schätzt du die Wärme nicht. Wer aber den Winter erlebt hat, der freut sich über Sonne. Ein Live-Konzert ist eine Stresssituation, aber wenn es klappt, ein wonnevolles Erlebnis.
Mögt Ihr es dramatisch, oder warum dreht Ihr Euer erstes Video zu "Wolfgang Amadeus Phoenix" in Bayreuth bei den Wagner-Festspielen?
Thomas Mars: Dramatisch wird das nicht, ganz im Gegenteil, eher ein Homevideo. Wir hatten eine zufällige Begegnung mit Antoine Amadeus Wagner. Der ist Musikvideo-Regisseur und Urenkel von Franz Liszt. Der schließt uns da die Räume auf. Ich bin gespannt, denn ich weiß nur, dass es unter den Wagners Streitigkeiten gibt, was die Leitung der Festspiele angeht. Es klingt sehr kompliziert.
Kompliziert wie die Produktion Eures neuen Albums?
Brancowitz: Ja, so kann man das sagen. Es ist immer ein sehr anstrengender Prozess, weil wir etwas aufnehmen wollen, das wir selbst nicht erwarten. Dadurch erleben wir immer viel Frust, der uns auch mal das Herz bricht.
Diesmal habt Ihr lange auf den magischen Moment warten müssen.
Brancowitz: Das stimmt, wir waren einfach nicht kreativ genug, den Moment herbeizuführen, also mussten wir auf ihn warten. Das war eine Frage von Mut und Geduld.
Wer ist der Ungeduldigste von Euch vieren?
Mars: Das bin wohl ich.
Brancowitz: Und ich. Aber wir streiten nie, dazu kennen wir uns zu lange. Wir reden ja nicht mal viel.
Mars: Die Schwierigkeit besteht für den, der schon weiß, was er will, darin, es den anderen klarzumachen.
Ohne zu reden?
Brancowitz: Das muss während des Spielens passieren.
teleschau: Und was macht Ihr, wenn Ihr ungeduldig werdet?
Mars: Alkohol und Drogen helfen nicht (lacht), das weiß ich.
Brancowitz: Eigentlich hilft nichts. Deshalb ist diese Zeit ja so zermürbend.
Berlin empfandet Ihr offenbar nicht mehr als inspirierend genug. Euer letztes Album "It's Never Been Like That" entstand zum Teil dort.
Mars: Es war eine tolle Erfahrung, sich mit ganz wenigen Sachen im Gepäck auf jungfräuliches Terrain zu begeben. Paris ist das genaue Gegenteil von unserer Berlin-Erfahrung. Paris erschlägt uns. Wir mussten uns wieder isolieren, um das neue Album überhaupt in Angriff nehmen zu können.
Das habt Ihr für einen Monat in New York versucht. Was habt Ihr nach diesen Wochen am meisten vermisst?
Mars: Frankreich steht für mich für Spontanität und Chaos, das hat mir gefehlt.
Nervt Euch die übertriebene Freundlichkeit der Amerikaner?
Brancowitz: Nein, die habe ich genossen. Wenn du in Paris lebst, wo die Leute sehr rüde, grob und unhöflich sind, findest du Amerika sehr angenehm.
Eure zweite Station war ein Hausboot auf der Seine.
Brankowitz: Ja, weil es auf dem Sterbebett nur auf deine Erinnerungen ankommt (macht eine künstlerische Pause). Dahinter steckte Egoismus. Wir hielten das für die perfekte Idee, schön von der Seine auf den Eiffelturm zu schauen. Nur geschrieben haben wir nichts.
Privatsphäre gibt es auf so einem Boot nicht, oder?
Brancowitz: Das ist auch nichts, was wir brauchen.
Stimmt, Ihr habt ja sogar einige Jahre zusammengewohnt.
Mars: Ja, als wir alle von Versailles nach Paris zogen Mitte der Neunziger.
Brancowitz: Da blieben wir dann für fünf, sechs oder sieben Jahre.
Mars: An so was erinnern wir uns immer ganz schlecht. Das ist genauso schwierig wie zu erklären, wie wir als Band zusammengefunden haben. Wir haben uns getroffen, aus den Augen verloren und wieder zusammengefunden.
Erklärt doch stattdessen, wie es zu "Lisztomania" kam, dem Titel der Single. Was ist das mit Liszt?
Mars: Der gleichnamige Film ("Lisztomania" aus dem Jahr 1975 mit The-Who-Sänger Roger Daltrey in der Hauptrolle, Anm. d. Red.) hat mich fasziniert. Der Mann ist ein Rockstar, und wie er sich benahm, ist erstaunlich. Dennoch hat das Album nichts mit ihm zu tun, das war nur ein Beitrag meiner Fantasie. Ich bin ein fauler, träger Mensch, bleibe an der Oberfläche, grabe nicht tief. Aber wenn mich etwas anspricht, adaptiere ich das. Denn ich steh drauf, wenn etwas weit hergeholt ist.
Branco, was ist mit dem Titel "Wolfgang Amadeus Phoenix"? Deine Mutter, die aus Bremen stammt, mag ihn nicht.
Brancowitz: Sie findet, man treibt kein Schindluder mit diesem Namen (lacht).
Wolltet Ihr provozieren?
Brancowitz: Nein, aber es hat sie provoziert. Was mir auch ganz gut gefallen hat (lacht). Dieses Herumalbern ist genau, was uns Spaß macht.
Für Euch eine schwierige Frage, weil Ihr Euch laut eigener Aussage ja schlecht an Details erinnert, aber: Welches Jahr war das wichtigste in Eurer Bandkarriere?
Mars: Ich denke 2006, weil wir da endlich die passende Livebesetzung gefunden haben. Der Kampf um eine funktionierende Kombination war anstrengend.
Brankowitz: Ich möchte 1999 hinzufügen, das Jahr, in dem wir unsere erste Single veröffentlichten, unser Gründungsjahr. Dabei wird dir klar, dass es keiner besser kann als wir - wie schlecht und unperfekt es auch war, es war eine Wahrheit. Die Wahrheit von dir und ein paar Jungs.
Branco, Du sagst, ein Live-Konzert macht Dir Spaß, weil man scheitern kann. Bist Du ein risikofreudiger Typ?
Laurent Brancowitz: Ja, das lässt sich mit einem einfachen Vergleich erklären. Wenn du immerzu in den Tropen lebst, schätzt du die Wärme nicht. Wer aber den Winter erlebt hat, der freut sich über Sonne. Ein Live-Konzert ist eine Stresssituation, aber wenn es klappt, ein wonnevolles Erlebnis.
Mögt Ihr es dramatisch, oder warum dreht Ihr Euer erstes Video zu "Wolfgang Amadeus Phoenix" in Bayreuth bei den Wagner-Festspielen?
Thomas Mars: Dramatisch wird das nicht, ganz im Gegenteil, eher ein Homevideo. Wir hatten eine zufällige Begegnung mit Antoine Amadeus Wagner. Der ist Musikvideo-Regisseur und Urenkel von Franz Liszt. Der schließt uns da die Räume auf. Ich bin gespannt, denn ich weiß nur, dass es unter den Wagners Streitigkeiten gibt, was die Leitung der Festspiele angeht. Es klingt sehr kompliziert.
Kompliziert wie die Produktion Eures neuen Albums?
Brancowitz: Ja, so kann man das sagen. Es ist immer ein sehr anstrengender Prozess, weil wir etwas aufnehmen wollen, das wir selbst nicht erwarten. Dadurch erleben wir immer viel Frust, der uns auch mal das Herz bricht.
Diesmal habt Ihr lange auf den magischen Moment warten müssen.
Brancowitz: Das stimmt, wir waren einfach nicht kreativ genug, den Moment herbeizuführen, also mussten wir auf ihn warten. Das war eine Frage von Mut und Geduld.
Wer ist der Ungeduldigste von Euch vieren?
Mars: Das bin wohl ich.
Brancowitz: Und ich. Aber wir streiten nie, dazu kennen wir uns zu lange. Wir reden ja nicht mal viel.
Mars: Die Schwierigkeit besteht für den, der schon weiß, was er will, darin, es den anderen klarzumachen.
Ohne zu reden?
Brancowitz: Das muss während des Spielens passieren.
teleschau: Und was macht Ihr, wenn Ihr ungeduldig werdet?
Mars: Alkohol und Drogen helfen nicht (lacht), das weiß ich.
Brancowitz: Eigentlich hilft nichts. Deshalb ist diese Zeit ja so zermürbend.
Berlin empfandet Ihr offenbar nicht mehr als inspirierend genug. Euer letztes Album "It's Never Been Like That" entstand zum Teil dort.
Mars: Es war eine tolle Erfahrung, sich mit ganz wenigen Sachen im Gepäck auf jungfräuliches Terrain zu begeben. Paris ist das genaue Gegenteil von unserer Berlin-Erfahrung. Paris erschlägt uns. Wir mussten uns wieder isolieren, um das neue Album überhaupt in Angriff nehmen zu können.
Das habt Ihr für einen Monat in New York versucht. Was habt Ihr nach diesen Wochen am meisten vermisst?
Mars: Frankreich steht für mich für Spontanität und Chaos, das hat mir gefehlt.
Nervt Euch die übertriebene Freundlichkeit der Amerikaner?
Brancowitz: Nein, die habe ich genossen. Wenn du in Paris lebst, wo die Leute sehr rüde, grob und unhöflich sind, findest du Amerika sehr angenehm.
Eure zweite Station war ein Hausboot auf der Seine.
Brankowitz: Ja, weil es auf dem Sterbebett nur auf deine Erinnerungen ankommt (macht eine künstlerische Pause). Dahinter steckte Egoismus. Wir hielten das für die perfekte Idee, schön von der Seine auf den Eiffelturm zu schauen. Nur geschrieben haben wir nichts.
Privatsphäre gibt es auf so einem Boot nicht, oder?
Brancowitz: Das ist auch nichts, was wir brauchen.
Stimmt, Ihr habt ja sogar einige Jahre zusammengewohnt.
Mars: Ja, als wir alle von Versailles nach Paris zogen Mitte der Neunziger.
Brancowitz: Da blieben wir dann für fünf, sechs oder sieben Jahre.
Mars: An so was erinnern wir uns immer ganz schlecht. Das ist genauso schwierig wie zu erklären, wie wir als Band zusammengefunden haben. Wir haben uns getroffen, aus den Augen verloren und wieder zusammengefunden.
Erklärt doch stattdessen, wie es zu "Lisztomania" kam, dem Titel der Single. Was ist das mit Liszt?
Mars: Der gleichnamige Film ("Lisztomania" aus dem Jahr 1975 mit The-Who-Sänger Roger Daltrey in der Hauptrolle, Anm. d. Red.) hat mich fasziniert. Der Mann ist ein Rockstar, und wie er sich benahm, ist erstaunlich. Dennoch hat das Album nichts mit ihm zu tun, das war nur ein Beitrag meiner Fantasie. Ich bin ein fauler, träger Mensch, bleibe an der Oberfläche, grabe nicht tief. Aber wenn mich etwas anspricht, adaptiere ich das. Denn ich steh drauf, wenn etwas weit hergeholt ist.
Branco, was ist mit dem Titel "Wolfgang Amadeus Phoenix"? Deine Mutter, die aus Bremen stammt, mag ihn nicht.
Brancowitz: Sie findet, man treibt kein Schindluder mit diesem Namen (lacht).
Wolltet Ihr provozieren?
Brancowitz: Nein, aber es hat sie provoziert. Was mir auch ganz gut gefallen hat (lacht). Dieses Herumalbern ist genau, was uns Spaß macht.
Für Euch eine schwierige Frage, weil Ihr Euch laut eigener Aussage ja schlecht an Details erinnert, aber: Welches Jahr war das wichtigste in Eurer Bandkarriere?
Mars: Ich denke 2006, weil wir da endlich die passende Livebesetzung gefunden haben. Der Kampf um eine funktionierende Kombination war anstrengend.
Brankowitz: Ich möchte 1999 hinzufügen, das Jahr, in dem wir unsere erste Single veröffentlichten, unser Gründungsjahr. Dabei wird dir klar, dass es keiner besser kann als wir - wie schlecht und unperfekt es auch war, es war eine Wahrheit. Die Wahrheit von dir und ein paar Jungs.

composed by french artist unsigned...a great song...
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