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Brandon Flowers - Es geht um den Song

Geschrieben Mo, 8. Dez. 2008 16:12 von Yahoo! Musik in Starportraits
(tsch) Brandon Flowers ist erkältet. Er ist sogar ziemlich erkältet, so sehr, dass er tatsächlich einen Moment der Schwäche zeigt. "Ich wünschte, wir würden dieses Konzert morgen nicht spielen müssen. Vorher noch ein freier Tag, das wär's", sagt er. Geht natürlich nicht. Wenn die Killers ihre neue Platte "Day & Age" vorstellen, dann ist der Laden ausverkauft. Und: Dann ist ein Radiosender dabei, der das Ganze hinaus in die Welt funkt. Die Killers sind Routiniers genug, um das zu wissen. Und sie sind gleichzeitig Routiniers genug, um am nächsten Abend keine Routine aufkommen zu lassen. Mitreißend ist noch ein vorsichtiger Ausdruck für das, was am nächsten Abend im Berliner Kesselhaus passiert. Flowers steht da, mit seiner federgeschmückten Lederjacke. Die Band ist langhaarig und eher Staffage. Daneben stehen beleuchtete Plastikpalmen. Und alles beginnt mit "Human".

Dieser Song ist irgendwie der Teufel, aber eben damit auch der Typ, dem man gerne seine Seele verkauft. Cheesy Apparatpop mit Synthies, die so flüssig sind, dass sie fast aus dem CD-Deck laufen. Dazu ein paar Stimmeffekte und eine Dramaturgie, die zielgerecht alle niederen Instinkte anspricht: "Human" klingt wie einer der Songs, die Anfang der 90er-Jahre den Autoscooter von Kleinstadtfesten beschallten. Brandon Flowers sieht's naturgemäß etwas anders. "Der Song ist sicher der beste, den wir jemals geschrieben haben. Ein 'Instant Classic'", sagt er und springt auf. Diesmal nicht, um sich die Nase zu putzen, sondern um im Hotelzimmer umherzulaufen und zu singen. "I did my best to notice when the call came down the line", singt er und ergänzt, dass alles das ja auch gut zu einer einzelnen Gitarre passen würde. Daran erkenne man dann, dass es ein gutes Lied sei. Nun war Selbstbewusstsein noch nie etwas, mit dem Flowers geizte. Deshalb sollte man schon erwähnen, dass "Human", dieser Beinahe-Pet-Shop-Boys-Hit, nicht nur auf seinem Mist wuchs. Mit Stuart Price drehte einer an den Produktionsknöpfchen, den Killers-Fans vor allem wegen seines "Mr. Brightside"-Remixes kennen werden, der aber natürlich viel mehr machte. Er arbeitete mit Seal und Madonna, schaffte aber auch unter den Monikern Les Rythmes Digitales und Zoot Woman bemerkenswerte eigene Platten.

Dass er das ganze Album produzierte, war für die Killers sicherlich ein Glücksfall. Denn Price schob den Sound der Gruppe aus Las Vegas behutsam, aber eindringlich Richtung Mainstream, was auch in den deutschen Hitparaden so seine Effekte hatte. "Wir ähneln uns. Er ist in etwa unser Alter, und er hat wie wir dieses wahnsinnige Verlangen, Neues zu schaffen. Es war wirklich eine perfekte Symbiose.", erklärt Flowers, nicht ohne anzufügen, dass sich durchaus noch Verbindungen zu diesem so amerikanischen Rock finden würden, der das letzte Album "Sam's Town" prägte: "Dustline Fairytales" etwa sei ein Song, der durchaus auch auf den Vorgänger gepasst hätte, nicht nur, was den Sound, sondern auch, was die Themensetzung angeht: "Er handelt von meinen Eltern. Davon, wie sie sich in einem Trailerpark kennenlernten. Aber gleichzeitig ist er eine Verbeugung vor all dem, was sie repräsentieren. Ihre Liebe, ihre Hingabe, ihre Kraft. Das sind Werte, die heute einfach passé sind." Es folgt ein Monolog über die heutigen Zeiten, über Scheidungskinder, und darüber wie inkomplett die aufwachsen würden, und das sind dann die Momente, in denen man begreift, warum Flowers in Interviews vorsichtiger geworden ist als früher: Er hält die Werte eines konservativen Amerikas hoch, ist durchaus dessen Kind.

Vater ist er zudem. Eineinhalb Jahre ist Sohn Ammon alt, und einer der Gründe, warum Flowers es ruhiger angehen lässt als noch vor einigen Jahren. Sex, Drugs, Rock'n'Roll - das ist so ein Themenbereich, bei dem Flowers draußen ist - und er scheint erleichtert darüber zu sein, vielleicht auch, weil es zu seinem dezidiert christlichen Weltbild nie so recht passte. "Ich muss niemandem mehr beweisen, wie gut ich feiern kann", sagt der praktizierende Mormone. Musste er das denn früher? Flowers macht eine Pause, wie so oft. Und erzählt von seinen Vorbildern. Von David Bowie, von Depeche Mode, davon, dass es einfach dazugehören würde, die Dinge extremer anzugehen. Der Habitus der frühen Jahre ist es sicher auch, der Flowers einige Meriten einbrachte. Rufus Wainwright, so sagt es die Legende, schrieb sein "Tulsa" über ihn, Neil Tennant von den Pet Shop Boys lobte ihn ausführlichst, äußerte erst Bedenken, als Flowers sich zu "Sam's Town" einen Schnurrbart wachsen ließ. Einer fehlt da aber noch. Die Lieblingsband des jungen Brandon Flowers waren The Cars, deren Kopf Ric Ocasek schon Weezer und No Doubt produzierte. Eine Option fürs nächste Killers-Album? Flowers wird wieder ruhig, erklärt dann kurz: "Ich glaube, dass er uns nicht mag." Wurmt es ihn? Wieder zögert er. "Ja, ich denke, es wäre schon cool, wenn Ric Ocasek uns mögen würde." Alle Ziele sind eben doch noch nicht erreicht.

Jochen Overbeck
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