Shakira "Wir können uns noch ändern"
Singen und die Hüften schwingen - das ist nicht alles, was Shakira ausmacht. Die Frau ist ein Erfolgsmodell. Shakira hat etwa 50 Millionen Alben weltweit verkauft, mit ihrer letzten Tour nahm sie rund 100 Millionen US-Dollar ein, und auch die Zukunft sieht rosig aus: Ihre Single "She Wolf", die erste Auskopplung aus ihrem gleichnamigen neuen Album, wurde von der US-Kritik ziemlich wohlwollend empfangen; in Deutschland stieg sie auf Platz zwei in die Charts ein. Und das alles nur dank eines gekonnten Hüftschwungs? Schwer zu glauben.
Zwar beherrscht Shakira das ästhetisch ansprechende Wackeln durchaus, die Gründe für ihren fortdauernden Erfolg aber dürften andere sein. Hinter der zierlichen Frau steht eine gigantische Marketingmaschinerie. Shakira hat eine internationale Homepage. Eine deutsche Homepage. Einen Auftritt bei Myspace. Einen Account bei Twitter. Einen
eigenen YouTube-Kanal. Und natürlich jede Menge Fanseiten. Sie turnt durch die "Oliver Pocher Show", singt beim britischen Talkmaster Jonathan Ross und der BBC Live Lounge vor und tritt demnächst in der US-Erfolgsserie "Ugly Betty" auf. Entkommen unmöglich. So omnipräsent die Sängerin in den Medien auch sein mag, die Privatfrau Shakira hält sich stets im Hintergrund; persönliche Themen wie Sex oder Religion sind in Interviews tabu. Mit ihrem Freund Antonio de la Rúa (Sohn des umstrittenen argentinischen Ex-Präsidenten Fernando de la Rúa) führt sie seit neun Jahren eine stabile Beziehung, seit acht Jahren sind die beiden verlobt. Damit habe der Ring "sein Haltbarkeitsdatum schon längst überschritten", witzelte sie kürzlich, setzte aber gleich hinzu, dass sie trotzdem nicht an Heirat denke: "Ich finde nicht, dass wir uns näher kommen könnten, wenn wir ein Stück Papier unterschreiben." Das war's. Keine schmachtenden Liebesgeständnisse, keine provokanten Statements, keine Skandale. Dezent.
Gesprächig wird Shakira - übrigens kein Künstlername, die Tochter eines Libanesen und einer Kolumbianerin heißt mit vollem Namen Shakira Isabel Mebarak Ripoll - dagegen, wenn es um ihr wohltätiges Engagement geht. "Ich habe gesehen, dass in Ländern wie meinem ein Kind, das arm geboren wird, auch arm sterben wird, es sei denn, es erhält eine Chance. Diese Chance ist Ausbildung. Das ist die helfende Hand, nach der sie suchen. Lateinamerika ist ein junger Kontinent, er ist formbar, er ist flexibel. Wir können uns noch ändern."
Als ihr Vater, ein Juwelier, noch während Shakiras Kindheit pleiteging und sie sich über die plötzlich bescheidenen Lebensverhältnisse beschwerte, nahmen ihre Eltern sie mit in den Stadtpark ihres Heimatorts Barranquilla, um ihr wahre Armut zu zeigen. Die Straßenkinder, die dort lebten, ohne Schuhe, nur mit Fetzen am Leib, und Klebstoff schnüffelten, um sich die Welt einen Moment lang schön zu glauben, hinterließen einen nachhaltigen Eindruck: Nach dem Erfolg ihres ersten Albums in Kolumbien gründete Shakira mit gerade einmal 18 Jahren die Stiftung "Pies Descalzos" ("Barfuß"), um die Bildung notleidender Kinder zu fördern. 2003 wurde mit den Geldern die erste Schule erbaut, inzwischen gibt es schon sechs. Dazu unterstützt die Stiftung arme Kinder, indem sie ihnen etwa Schulmaterial und Essen finanziert.
Ihr Erfolg und ihr Engagement haben der 32-Jährigen in Kolumbien einen Status als nationale Ikone eingebracht; in Barranquilla steht sogar eine überlebensgroße Shakira-Statue. Doch die ist nicht mehr ganz aktuell: Die Sängerin steht da in langen Schlaghosen, eine Gitarre in der Hand, meilenweit entfernt von der Frau im hautfarbenen Leotard, die sich im Video zu "She Wolf" in einem Käfig räkelt. "Ich hätte so einen Song mit 20 wohl nicht geschrieben, aber ich tue es jetzt, weil ich mich heute so fühle ... Inzwischen bin ich etwas weniger prüde", erklärt die ehemalige Klosterschülerin. "Wir können uns noch ändern" - das gilt wohl nicht nur für Kolumbien.
