Eagles Of Death Metal - Lexikon der Lebensweisheiten
Ich muss mich gleich entschuldigen. Ich höre sehr
schlecht, meine Erkältung hat sich auf die Ohren gelegt.
Jesse Hughes:
Meine Großmutter hat gesagt, man soll vorsichtig mit einem Öl getränkten
Wattestäbchen in die Ohren, dann ist man am nächsten Tag gesund. Wir können es
aber auch mit Heroin versuchen.
Okay, bis es wirkt, könnten
wir über Deinen Bart sprechen. So präsent wie er ist, hat er bestimmt eine
Bedeutung für Dich.
Hughes: Schau ihn dir an, ich bin alle zwölf Poster
des Tom-Selleck-Kalenders von 1981. Er wächst, also lasse ich ihn - und den
Wikinger in mir - raus. So ein Schnauzer hat etwas Unkontrollierbares,
Rudimentäres. Er macht mich komplett.
Ist er ein
Zusammenspiel aus Deinem alten und einem neuen, erfundenen Ich?
Hughes:
Ja, diese Haare sind verdammt magisch. Ich bin im Süden der Vereinigten Staaten
aufgewachsen, hatte diesen Hillbilly-Akzent, kein Junge, mit dem die Mädchen
ununterbrochen Sex haben wollten. Ich war ein etwas seltsames Kind, das gerne in
die Fantasie abdriftete. Als ich älter wurde, überlegte ich mir, wer oder was
ich sein wollte. Denn so wie ich war, habe ich nichts gerissen. Damals trug ich
Vollbart. An dem Tag, an dem ich ihn wegrasierte und der Schnauzer übrig blieb,
war ich begeistert: Das bin ich und doch nicht ich! Ich habe mich mit mir
wohlgefühlt. Meine Entwicklung vom Mann zum Mann tat mir gut, scheißegal, was
die anderen denken. Doc Holliday ist einer meiner größten
Helden.
Hast Du generell eine Affinität zu den guten alten
Zeiten, zur Vergangenheit?
Hughes: Nein, aber ich denke, ohne zu wissen,
wo du schon warst, weißt du nicht, wo's hingehen soll. Nimm die Siebziger. Da
kam Punk Rock auf und alle fanden die Bee Gees plötzlich scheiße. Das ist doch
Unsinn, wieso kann man nicht beides mögen. Ich mag beides.
Du
bist also tolerant?
Hughes: Ich will nur nicht, dass jemand bestimmt, was
ich gut finde und was nicht. Ich heiße es gut und honoriere erstens, von seinen
Helden nichts zu kopieren, außer vielleicht einem Schnurrbart, zweitens heißen
Sex und drittens, dass wir die Abhängigkeit von den Erdöl fördernden Staaten
reduzieren (nimmt einen Schluck Cola - es bleiben kleine Perlen im Schnauzer
hängen - und guckt erwartungsvoll).
Dieses Dozieren, ist das
noch der Lehrer in Dir, der Du warst, bevor Du mit der Musik
anfingst?
Hughes: Äh, ja. Danke, dass Du mich daran erinnerst. Ich war
eben kein Revoluzzerkind, ich mochte die Schule, fand es nicht verkehrt, etwas
zu lernen. Und dieser "Fuck Everything"-Attitüde konnte ich nichts abgewinnen.
Ich fand es nicht cool, ein Arsch zu sein.
Du warst keiner,
der Ärger bekommen wollte?
Hughes: Es ist gut, nirgendwo reinzurutschen,
aber noch besser ist es, die Regeln zu brechen (lacht). Das Richtige zu tun
bedeutet manchmal Ärger. Ich glaube nicht an Schwarz und Weiß, aber an richtig
und falsch. Schwierigkeiten gibt es viele - mit deiner Mutter, Freunden, oder
damit, dass du deinen Reißverschluss nicht zukriegst. Von welchen reden
wir?
Von dem Ärger, den man sich aus Blödsinn
einhandelt.
Gegen den habe ich nichts. Jugend ist eine Attitüde,
keine Sache des Alters. Spaß haben ist der Schlüssel dazu, hält dich lebendig.
Du kannst nur gewinnen, wenn du auf die Fresse fällst. Misserfolg ist das Beste,
was dir passieren kann, denn dann musst du es noch mal probieren. Ich war ein
exzellenter Student. Ein Teil von mir wollte trotzdem raus, rumhängen, ein Idiot
sein.
Das klingt, als wärst Du ein kontrollierter
Freak?
Hughes: Naja, ich bin ein Vater, ich muss berücksichtigen, dass
mein Sohn sieht, was ich tue. An dieser Stelle möchte ich hinzufügen, dass wir
verheiratet waren als wir schwanger wurden. Darauf lege ich Wert, wir haben
nicht geheiratet, weil sie schwanger war. Ich wusste nur nicht, dass ich mit
Satan vor den Altar ging.
Das erste
Eagles-Of-Death-Metal-Album ist Deinem Liebeskummer nach der Trennung
geschuldet. Damit hast Du Dich vor fünf Jahren aus Deiner Lebenskrise gezogen.
Wie ist heute Euer Kontakt?
Hughes: Wir leben alle in Palm Springs. Nur
weil ich nicht mehr verheiratet bin, heißt das nicht, dass wir keine Familie
mehr sind.
Redest Du mit bei der Erziehung Deines
neunjährigen Sohnes?
Hughes: Klar. Und ich sehe nicht, weshalb man
Nachwuchs vertütteln sollte. Diese "Ach, das ist doch ein Kind"-Sprüche. Das
stimmt nicht, Strafe muss sein. Ich schlag ihn nicht. Aber wenn er die Hand
ausstreckt, um an den Herd zu fassen, hau ich ihm auf die Finger. Oder aber ich
lass ihn, damit er sich verbrennt und das nie wieder tut.
Als
Du selbst neun Jahre warst, hast Du Josh Homme kennen gelernt. Ihr habt als
Fußballpartner angefangen, wer hat mehr gefoult?
Wir waren auf
verschiedenen Positionen, er war schon damals sehr groß, ein Riese, der aber was
konnte. Josh war in der Defensive, ich Angreifer und Terrorizer, ich habe
manchen Knochen gebrochen auf dem Platz. Trotzdem war ich der
Kapitän.
Der bist Du auch bei den Eagles Of Death Metal, oder?
Hughes: Ja, nur ohne Josh hätten die Eagles Of Death Metal niemanden
interessiert. Sollen sie es doch als Nebenprojekt bezeichnen, das ist es nicht.
Wir haben in Amerika die Top 40 geknackt, uns freigeschwommen. Die Arbeit mit
Josh ist mittlerweile gleichberechtigt.
Findest Du nicht, dass
er die Eagles unterläuft? Jetzt sind sowohl seine Frau Brody Dalle als auch
Queens-Gitarrist Troy Van Leeuwen mit auf dem aktuellen Album.
Hughes:
Ich habe gesehen, wie gut die sind und mir die geschnappt. Wir sind eine Gang,
das Flaggschiff heißt Queens Of The Stone Age, ich bin der Käpt'n meines eigenen
Schiffes. Josh und ich arbeiten miteinander, was nicht bedeutet, dass wir den
Schaffensprozess des anderen verstehen.
Sondern?
Hughes: Josh hat mich damals auf dem Spielplatz beschützt und vor
einigen Jahren schob er den Spielplatz ins Rockbusiness. Ich habe gerade vier
Monate Gitarre gespielt, als er mich zum Songschreiben brachte. Er ist der beste
Freund, den ich je hatte, er ist auch der Patenonkel meines Sohnes und einer der
fittesten Köpfe im Musikbusiness. Am Anfang fragten alle nur nach ihm, heute
stehe ich an seiner Seite. Nur auf Tour werde ich nie aus seinem Schatten
kommen, er wird mir immer in der Sonne stehen. Da möcht ich ihn schon manchmal
schubsen, und sagen: Hey, jetzt bin ich dran!

Tja diese zwei Männer enttäuschen eben nie!
Hughes ist ne echte Erfrischung was die Rockmusik angeht. Nimmt sich selbst nicht zu ernst und kann trotzdem mit unglaublichen Können trumphen.
Klar, Homme ist einer der wichtigsten Musiker im heutigen Rockbusiness -Kyuss und Qotsa haben für mich die Glaubwürdigkeit der Rockmusik bewahrt. Nicht umsonst sagt man Homme, Grohl und Co. hätten den Rock gerettet. Doch ist Hughes schon längst ein eingeschworenes Mitglied in den Kreisen der Super-Rock-Allstars (wie ich sie gerne nenne ;D). Aus diesem riesigen Bekanntenkreis sind schon einige legendäre Kollaborationen hervorgegangen (Beispiel:Desert Sessions). Jesse Hughes ist für mich der Innbegriff von Rock`n Roll und Party! Und alles ohne den ganzen PR-Skandal-Unsinn, die andere sogenannte Rockstars heutzutage nur allzu nötig haben.EODM haben für mich den Kultstatus der Werke Homme`s schon längst erreicht und Hughes ist eindeutig ihr Charmebolzen-Frontmann-Star, egal wie lang Hommes Schatten
Boots Electric ist mein sexy Held!!!