Eisblume - Das Leben ist kein Ponyhof
"Eisblumen" ist ein Cover der Mittelalter-Band Subway To
Sally aus Potsdam. Wie nehmen das deren eingefleischte Fans auf?
![]()
Ria: Es gibt zwei Lager: Die einen sind total dagegen, regen sich darüber auf,
dass ich die Subway-To-Sally-Hymne schlechthin gecovert habe, und sehen es als
persönlichen Angriff gegen die Band. Manche wissen eben nicht, dass man sich
für so etwas das Einverständnis der Band einholen muss. Die Fans sind da
engstirniger als die Band. Die ist da viel offener und freut sich darüber. Die
Fans sollten es als Widmung, eine Art Bewunderung für die Band sehen. Andere
wiederum finden es mutig und toll, dass ich mich an das Stück herangewagt habe.
Die Coverversion polarisiert eben sehr stark.
Aber warum überhaupt diese Coverversion?
Ria: Für mich war es einfach ein Herzenswunsch, diesen Song zu singen. Und so
habe ich bei Subway To Sally angefragt, ob wir "Eisblumen" covern
dürfen. Die haben sich unsere Version angehört, sie als super befunden und sich
gefreut. Und deren Texter Bodenski hat dann angefangen, noch ein paar Songs für
uns zu schreiben. Darauf bin ich ganz stolz, denn Bodenski, alias Michael
Boden, schreibt sehr tolle Songs. Ha, und so bin ich jetzt auch Gast auf dem
nächsten Subway-To-Sally-Album "Kreuzfeuer" und werde mit Sänger Eric
Fish das Duett "Komm in meinen Schlaf" singen.
Gibt es auf dem aktuellen Album "Unter dem Eis" auch Texte
von Dir zu finden?
Ria: Bei diesem Album noch nicht. Das sind ja alles sehr lyrische und
metaphorische Texte, die man nicht einfach so aus dem Ärmel schüttelt. Ich
hoffe, ich kann bei Bodenski ein bisschen was lernen!
Eisblume ist also ein Ein-Frau-Betrieb?
Ria: Hm, na ja, Eisblume bin ich, aber es gehört eine Band dazu. Und wenn wir
im Tourbus - wie zum Beispiel letztes Jahr, als wir ein paar Ich &
Ich-Konzerte als Vorband begleiteten - zusammen sind, haben wir auf alle Fälle
ein Bandgefühl. Vor dieser Tour hatte ich ein paar wenige Auftritte in
Mini-Clubs. Gleich mal vor 10.000 Leuten zu spielen, war ein ganz schön großes
Ding. Kurz vor dem Auftritt habe ich richtiges Lampenfieber, das schlagartig
mit dem Betreten der Bühne weggeht. Da fühle ich mich dann ganz wohl und die
Nervosität ist weggezaubert, das ist meine Welt. Ich bin wohl so etwas wie eine
kleine Rampensau (kichert). Eine kleine Tour ist im Mai geplant, im Sommer
vielleicht ein paar Festivals - da freu ich mich schon tierisch drauf!
Wie hat denn alles bei Dir mit der Musik angefangen?
Ria: Mit acht Jahren begann ich mit klassischem Gesang und Klavierunterricht,
machte das ein paar Jahre, hatte aber dann keine Lust mehr auf klassische
Musik, habe so einiges ausprobiert und bin nun Eisblume.
Das Video zu "Eisblumen" erinnert an "Nightmare
Before Christmas" von Tim Burton. War das beabsichtigt?
Ria: Ja, vollkommen. Ich hatte die Idee, das Video nicht mit echten Menschen zu
drehen, das erschien mir für die Schwere des Textes auch nicht angemessen und
umsetzbar. Und so dachte ich an Burtons ersten Animationsfilm
"Vincent" von 1982. Eine Video-Produktionsfirma in Schweden hat dann
den weiblichen Charakter nach Fotos von mir angefertigt und nach langen sechs
Monaten war der kleine Film fertig. Ich bin wirklich stolz auf die
Echo-Nominierung, denn die Idee dahinter stammt ja von mir.
Man raunt sich zu, dass das Lied der Emo-Bewegung zugehörig ist.
Bist Du denn ein Emo?
Ria: Nö. Die Leute versuchen, den Song und mein Outfit in irgendwelche
Schubladen zu stecken. Ich sehe das anders, ich mache die Musik, die mir
gefällt, und ziehe die Klamotten an, die ich gut finde. Schubladendenken
überlasse ich gerne anderen. Wer das als Gothic, Emo oder sonst was sehen
möchte - bitte. Ich persönlich fühle mich keiner Gruppe zugehörig, ich mach
einfach mein Ding. Es ist wie im Text von "Eisblumen": Man grenzt
sich von der Gesellschaft ab, fühlt sich nicht zugehörig. Man ist eben anders
und steht dazu. Das ist auch kein Hilferuf, sondern einfach ein Statement. Man
sitzt in einem Raum mit anderen Menschen und fühlt sich nicht zugehörig. Die
anderen können die Gedanken- und Gefühlswelt desjenigen einfach nicht
nachvollziehen. Und deshalb möchte man auch nicht Teil dieser Gruppe sein.
Jeder sollte eben seinen eigenen Weg gehen.
Du wirkst aber eigentlich gar nicht so düster. Da steckt doch viel
Fröhlichkeit in Dir, oder?
Ria: Klar lache ich auch gerne! Emotionale Musik wie Tori Amos, Paramount oder
Kings Of Leon macht mich zufrieden. Und wenn ich dann noch mit meinem Kater
Blacky kuscheln kann, bin ich doch wieder mit dem Tag versöhnt (lächelt).
Nina Becker-Göpner

i.wie langweilig....