Olli Banjo & Jonesmann - Der Urgedanke des Rap
Der Titel Eures Albums "Vier Fäuste für ein Halleluja"
verrät, dass Ihr große Fans von Bud Spencer und Terence Hill seid.
Olli Banjo: Auf jeden Fall! Als Kind habe ich die Filme wie "Sie nannten
ihn Mücke" geliebt.
Jonesmann: Ich auch. Ich habe sie alle gesehen als Kiddie.
Wie seid Ihr auf diesen Titel gekommen?
Olli Banjo: Das kam so ziemlich am Ende. Wir haben uns überlegt, welche großen
Filmduos es gibt. Miami Vice kam uns irgendwann in den Sinn, aber das war uns
dann doch zu rosa. Ich kam irgendwann auf den Titel "Vier Fäuste für ein
Halleluja", bei dem ich hängen blieb. Witzigerweise hat Jonesmann den Film
zwei Tage später im Fernsehen gesehen. Und das war für uns das Zeichen.
Im Hinblick auf die Rollenverteilung: Wer von Euch verkörpert Bud
Spencer und wer sieht sich als der kleinere, vielleicht technischere Terence
Hill?
Olli Banjo: Also der Waage nach zu urteilen, bin ich Bud Spencer und Jones ist
Terence Hill. Deshalb mache ich gerade auch eine Diät und quäle mich ohne
Kohlehydrate durchs Leben.
Jonesmann: Ich weiß ja gar nicht, ob man das so vergleichen kann. Was das
Gewicht angeht, hat Olli natürlich recht. Vom raptechnischen Standpunkt ist es
genau andersherum. In erster Linie sind wir aber ein Team gegen den Rest der
Szene und ergänzen unsere Styles. Während der eine flext, flowt der andere eben
chilliger. Grundsätzlich liegen wir absolut auf einer Wellenlänge.
Welche Parallelen lassen sich sonst noch zu den Namensgebern des
Albums ziehen?
Olli Banjo: Na auf jeden Fall, dass wir Action-Rap mit viel Humor machen und
die ein oder andere freundschaftlich gemeinte Backpfeife verteilen. Außerdem
nehmen wir uns nicht so ernst, und bieten den Leuten einfach geilen Rap.
Die Idee, Soundschnipsel oder Filmzitate zu übernehmen, läge auf der
Hand. Warum habt Ihr Euch dagegen entschieden?
Olli Banjo: Im Intro taucht ja tatsächlich ein Schnipsel aus dem Film auf,
ansonsten haben wir uns bei den Skits auf unseren eigenen Quatsch verlassen.
Außerdem waren wir uns auch gar nicht sicher, ob so etwas überhaupt groß
aufgefallen wäre. Rechtlich gesehen ist man natürlich gewarnt, wenn man sich
mal die Klagewelle im Deutsch-Rap ansieht. Da gibt es ja zurzeit einen ganz
besonderen Adressaten.
Eure musikalischen Hintergründe könnten verschiedener nicht sein.
Der eine ist ein Metal-Fan, während der andere privat eher seichteren R'n'B
bevorzugt.
Olli Banjo: Naja, ganz am Anfang als Kind hörte ich 80er-Jahre-Popmusik. Meine
erste Platte war von Duran Duran "Wild Boys" und die zweite dann
Hubert K. "Sternenhimmel". Depeche Mode mochte ich sehr gerne, und
dann ging es schon mit Heavy Metal los: Judas Priest, Ozzy Osborne oder Dio.
Heute höre ich gerne Queens Of The Stone Age, Korn find ich toll, aber auch The
Mars Volta mit ihrem psychedelischen Science-Fiction-Rock.
Jonesmann: Ich höre so viele verschiedene Künstler, dass ich da jetzt kaum
Namen nennen kann. Aber Mary J. Blige zählt zu meinen Favoritinnen. Im Grunde
höre ich Neosoul, Studio-R'n'B, eben diese Urban-Geschichten.
Immer wieder kommt es nicht nur im Deutsch-Rap zu Unstimmigkeiten
zwischen Rappern. Zuletzt beleidigte Bushido die Mutter von Sido, es kam zum
Zwist. Wie lässt sich das einordnen? Als PR-Gag vielleicht?
Olli Banjo: Das ist mit ganz großer Sicherheit kein PR-Gag. Also, ich sehe das
mit einem traurigen Auge, denn so was kann auch ganz schnell schief gehen. Das
ist auf keinen Fall ein Spaß. Denn man weiß, dass es, wenn die zwei Lager
aufeinandertreffen, schnell zu Handgreiflichkeiten kommen kann. Ich kann das
nicht unterstützten. Wenn man Bock darauf hat, sich auf Tracks zu batteln, ist
das dagegen eine schöne Sache.
Jonesmann: Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass das kein Gag ist. Ich hab das
zwar nicht so konkret verfolgt, aber so wie sich das angehört hat, klingt das
schon sehr ernst. Die schieben ordentlich Hass aufeinander. Ich hoffe, dass
dieser Streit nicht zu brutal wird. Denn eigentlich ist das ja überhaupt nicht
der Sinn von Rap. Der Urgedanke ist ja der, dass man, wenn man Streit hat,
diesen als Battle austragen kann. Es gibt einen Gewinner und einen Verlierer,
wie bei einem Boxkampf. Natürlich kann der Verlierer den Gewinner wieder
herausfordern. Ich halte überhaupt nichts davon, dass das Ganze auf die Straße
kommt. Es soll ja so sein, dass diese Rivalitäten weg kommen von der Straße und
weg von der physischen Gewalt.
Olli Banjo: Außerdem hat Sido, den ich ganz gut kenne und schätze, dieses
aggressive Ding gar nicht nötig. Er sollte sich darauf gar nicht einlassen.
Klar, wir sind alle Rapper mit einem großen Ego, deshalb kann ich das ein klein
wenig nachvollziehen. Dennoch hoffe ich, dass da nichts passiert.
Daniel Heim

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