Alex Swings Oscar Sings - Mit Striptease, Swing - und einem guten Song
Über den Coup, für die "Eurovision"-Show die weltberühmte Burlesque-
und Striptease-Künstlerin verpflichtet zu haben, redet er im Interview noch
nicht. Und eigentlich sollte der Auftritt von Teeses auch erst beim Auftritt in
Moskau für einen Knalleffekt sorgen, wie das Label verlauten lässt, die
Boulevard-Schlagzeilen im Vorfeld seien nicht geplant gewesen. Auf die Frage,
ob nach dem Sieg der finnischen Masken-Rocker Lordi und den Erfolgen leicht bekleideter
Popsternchen letztlich nur noch der Showaspekt eines "Grand
Prix"-Auftritts zähle, wiegelt Christensen aber - geplanter Striptease hin
oder her - sowieso ab. Mit einer aufregenden Show könne man einiges kaschieren,
so der Produzent, aber "im Endeffekt würde ich sagen, dass zu 70 Prozent
doch der Song entscheidend ist".
Patentrezepte oder Erfolgsformeln für den Grand Prix gebe es sowieso keine,
meint Christensen. Was ein Song genau haben müsse, um zu gewinnen, ändere sich
von Jahr zu Jahr. Dennoch gibt er sich bezüglich seiner Siegchancen mehr als
zuversichtlich. Und das nicht völlig zu Unrecht. Schließlich konnte er als U96
("Das Boot"), als Produzent von Right Said Fred ("You're My
Mate"), Paul Anka und Michael Bolton und nicht zuletzt als kontrovers
diskutierter "Porno-Sänger" Alex C. ("Du hast den schönsten
Arsch der Welt") weltweite Charterfolge erzielen. Eine Herausforderung sei
die Teilnahme für ihn, aber, so im Gespräch immer wieder deutlich, wohl
tatsächlich auch eine echte Herzensangelegenheit. "Ich bin seit meiner
Kindheit ein großer Grand-Prix-Fan", schwärmt Christensen, "Früher
habe ich die Show immer zusammen mit meinen Eltern angesehen. Und ich hatte
immer den Traum, einmal live dabei zu sein. Und jetzt bin ich als Künstler
dabei, das ist natürlich toll."
Als Äußerungen des eingeschworenen Grand-Prix-Fans sind vielleicht auch seine
teilweise schlagzeilenträchtigen Statements zu verstehen. So hatte Christensen
die No Angels, die 2008 nur den letzten Platz belegten, ziemlich harsch kritisiert.
Auf Nachfrage hin relativiert der Produzent seine Aussagen. Und fügt an, dass
beileibe nicht alle deutschen Titel der letzten Jahre schlecht gewesen seien:
"Texas Lightning fand ich super, das war stimmlich was ganz Neues. Aber
auch Stefan Raab und Guildo Horn waren gut, die haben dem Wettbewerb auch eine
neue Note verpasst, einen neuen, augenzwinkernden Humor ins Spiel gebracht. Und
an den No Angels habe ich kritisiert, dass das ein einfach schlechter Song
war."
Für die schlechten Platzierungen der letzten "Grand Prix"-Jahre hat
der Hamburger zudem eine weitere Erklärung parat. Nicht die viel diskutierten
"Punkteschiebereien" zwischen den osteuropäischen Staaten, die dazu
geführt haben, dass dieses Jahr neben dem Publikumvoting auch
Juryentscheidungen zur Hälfte in die Punktewertung der Länder einfließen, seien
schuld an den Misserfolgen Deutschlands. Man trage auch selbst eine gewisse
Mitschuld, meint Christensen, denn man habe sich in den letzten Jahren als
"schlechter Nachbar" präsentiert: "Wir sollten uns doch mal
selbst fragen, warum wir keine Punkte aus Polen, Tschechien oder aus Dänemark
bekommen. Wir sind letztens im holländischen Fernsehen aufgetreten und haben
den Titel dort vorgestellt. Danach hat man mir gesagt, dass wir tatsächlich die
Ersten waren, die so etwas dort im Fernsehen gemacht haben. Insofern finde ich
das nicht schlimm oder bemerkenswert, dass die Osteuropäer zusammenhalten. Im
Gegenteil: Es ist an uns, mehr Nachbarschaftspflege zu betreiben."
Etwas weniger staatstragend äußert sich Christensen dann allerdings zu seiner
Konkurrenz. Den französischen Beitrag von Chanson-Superstar Patricia Kaas
empfindet er etwa als "Kopie eines uralten Rezepts". Aber auch
generell seien für seinen Geschmack "ziemlich viele Balladen dabei".
Und er fügt an: "Mal sehen, wie das dann im Finale ist. Denn wenn wirklich
aufgrund der Startreihenfolge drei dieser Songs hintereinanderkommen, muss man
fast aufpassen, dass die Zuschauer nicht vorm Fernseher einschlafen." Dass
bei seinem Auftritt mit Sänger und Tänzer Oscar Loya und Striptease-Ikone Dita
von Teese Langeweile aufkommt, steht indes wohl nicht zu befürchten. Denn trotz
der vermeintlichen Unsicherheit, mit ein bisschen Provokation und einer großen
Show punkteten auch die Gewinnertitel der letzten Jahre. Aber eben vor allem
von seinem Swing-Pop-Song "Miss Kiss Kiss Bang" ("eine
Gute-Laune-Nummer") ist Christensen absolut überzeugt: "Gerade in
Zeiten der Wirtschaftskrise braucht man doch einen Song, der die Stimmung noch
weiter nach unten zieht."
Und es scheint fast so, als ob genau diese Botschaft bestens ankommt. Sogar
nicht nur in Europa. US-Talkmasterin Oprah Winfrey hörte den Song im Internet
und lud das Duo spontan in ihre Sendung ein. Zwar verhinderten die beginnenden
Proben für das Finale in Moskau einen Auftritt vor Ort, Christensen und Loya
wurden allerdings per Satellit live von einem Konzert aus Hamburg zugeschaltet.
Eigentlich nur schade, dass die rund 20 Millionen "Oprah"-Zuschauer
nicht beim "Grand Prix" mit abstimmen dürfen.

Zum Thema: Der deutsche Beitrag war einfach unterirdisch, Frau von Teese ebenso. Es ist mir schleierhaft, warum diese Frau als "beste Burlesque-Tänzerin aller Zeiten" gilt. Ihre gestrige Vorstellung war steif und von Erotik war auch keine Spur. Die Musik von Christensen ist Geschmackssache, nicht Jeder mag Swing, mein Fall ist er jedenfalls nicht. Gesanglich war's ok.
Meiner Meinung nach sollte Deutschland einfach mal einige Jahre beim Eurovision Song Contest pausieren, dementsprechend natürlich auch dort kein Geld mehr hineinstecken. Dann verschwindet diese Veranstaltung ebenso in der Versenkung wie unser deutscher Beitrag, der über unsere Köpfe hinweg einfach so für uns nach Moskau geschickt wurde.
Gut, als der deutsche Zuschauer noch mitentscheiden durfte, wer zum Contest fährt, landeten wir meist auch ziemlich weit hinten. Aber da konnte Deutschland noch hinter dem Song stehen, wir hatten ihn ja gewählt. Dieses Jahr stand niemand dahinter. Traurig. Warum wird eigentlich kein deutschsprachiges Lied geschickt? Vom Stil her etwas mehr "Mainstream"? Swing und Jazz ist nunmal nicht jedermanns Geschmack. Ein gut gemachter, deutschsprachiger Popsong wäre mein Vorschlag für den nächsten Versuch. Oder etwas rockiges...
Am Besten wäre natürlich: Einfach mal zu Hause bleiben!
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